Startseite Über uns Gewässer Gewässerkunde Galerie Rund um das Angeln Aktuelles Mitglied werden Presse

Aktuelles:



Themen:
Termine
Jubilare
Sonstiges
Verband
Mitgliederbereich


Allgemein:
Kontakt
Impressum


Verband Hessischer Fischer e. V.

In diesem Abschnitt finden Sie aktuelle Pressemitteilungen des Fischereiverbandes

Verband Hessischer Fischer e. V.
Anerkannter Naturschutzverband nach § 60 BNatSchG


Verband Hessischer Fischer
Hauptgeschäftsstelle Wiesbaden
Rheinstraße 36
65185 Wiesbaden

Verband Hessischer Fischer
Regionalgeschäftsstelle Nord
Kölnische Straße 48 - 50
34117 Kassel

Verband Hessischer Fischer
Regionalgeschäftsstelle Süd
(ab 01.03.2010)
Hindenburgstr. 3
64405 Fischbachtal



Nach oben

M I T T E I L U N G   V E R B A N D   H E S S I S C H E R   F I S C H E R   E .   V . 

Nachfolgend eine Pressemitteilung (01.02.2010) als Reaktion auf die PM des NABU Hessen.
Hier das Original als PDF-Datei [717 KB] .


Wiesbaden.
Dreißig Prozent weniger Kormorane?
Fast hundert Prozent weniger Äschen !
Verband Hessischer Fischer fordert HGON und NABU zur Redlichkeit auf


Mit Taschenspielertricks versuchen HGON und NABU die Öffentlichkeit zu täuschen: Sie machen aus der witterungsbedingten Ausnahmesituation im Januar 2010 einen Trend des dreißigprozentigen Rückgangs des Kormoranbestands im Winter. Auch die behauptete Verringerung des Brutbestands um fast die Hälfte stimmt nur, wenn ein großer Teil der Wirklichkeit ausgeblendet
wird.

Die hessischen Fischer, die unter wissenschaftlicher Anleitung nun bereits seit 15 Jahren regelmäßig selbst Kormoranzählungen durchführen, haben 2010 genau einen Tag vor denVogelschutzorganisationen landesweit gezählt und kommen zu ganz anderen Bewertungen.

Gleichzeitig registrieren sie im Januar 2010 die nach dem Frost von Februar/März 2009 bereits zweite Welle verheerender Kormoraneinflüge an kleinen und mittleren Fließgewässern der Mittelgebirge innerhalb von 12 Monaten. Sie befürchten nicht nur, sie beobachten aktuell machtlos die Ausrottung der letzten hessischen Bestände der Äsche und den Niedergang anderer stark bedrohter Fischarten.

"Das kennen wir schon" sagt der Vizepräsident und Naturschutzreferent des Verbandes Hessischer Fischer, Rainer Hennings. "Da wird aus einer witterungsbedingten Ausnahmesituation gleich ein Trend gemacht - ’verwaiste’ Schlafplätze, ‘weniger’ Wintergäste, und auch der behauptete ‘Rückgang’ der Brutpaare stimmt nur, wenn man einen großen Teil des Geschehens ausblendet:
Die ‘Halbierung’ der Brutpaare hat nur an einer, allerdings der bisher größten Brutkolonie von den 6 Kolonien, die HGON, NABU und die Staatliche Vogelschutzwarte bisher eingestehen, stattgefunden.

Dass dafür mittlerweile eine ganze Reihe neue Brutkolonien im Hinterland entstanden sind, wird schlicht ignoriert. Und man zählt bei den Vogelfreunden nur an den seit über zehn Jahren immer gleichen 62 Schlafplätzen - wir kennen mittlerweile 168". Die sind natürlich nicht immer alle besetzt, fährt der Fischereisachverständige fort, werden aber fast alle bei den Zählungen des VHF kontrolliert.

Von den aus der landesweiten, synchronen Schlafplatzzählung des VHF am 16. Januar 2010 bisher zurückgelaufenen Meldebögen bezieht sich aber gut ein Viertel auf neue Schlafplätze. Das ist die überdeutliche Bestätigung eines Phänomens, das Fischer und andere Naturfreunde in Frostperioden immer beobachten: Die oft Hunderte Vögel umfassenden Schlafgesellschaften an den großen Stehgewässern in den Flussauen lösen sich auf, und die Tiere verteilen sich auf eine große Zahl kleiner und kleinster Schlafplätze, die sich wie Perlen an der Schnur an den noch eisfreien größeren und kleineren Mittelgebirgsbächen aufreihen. Dort werden die Tiere von den Vogelfreunden überhaupt nicht (man zählt ja nur die 62 uralten Plätze) und von den Zählern aus der Fischerei nur unzureichend erfasst.

"Da ist schon mal ein großer Schlafplatz ‘verwaist’, so der Schultheißweiher Offenbach, der im Herbst noch rund 300 Tiere hatte und Mitte Januar 2010 nicht besetzt war. Und nach dem großen Frost sind sie dann alle wieder da, die Häupter unserer Lieben" sagt Rainer Hennings. Erst ein über mehrere Monate und Winter anhaltender Rückgang kann seriös als Beleg für eine Trendwende im Kormoranbestand gewertet werden.

Wer aufmerksam die seit Anfang der Neunziger Jahre anhaltende Diskussion verfolgt hat, wird feststellen, dass seit nunmehr 15 Jahren gebetsmühlenartig die Behauptung wiederholt wird, die Kormoranbestände gingen zurück oder seien sogar rückläufig. Wenn dann mit mehrjähriger Verzögerung endlich die wissenschaftlich belastbaren Veröffentlichungen der Ornithologie erscheinen, muss man dann staunend feststellen, dass erneut eine starke Zunahme eingetreten ist, so zuletzt um 21 % beim Brutbestand in Hessen
vom Jahr 2004 auf 2005. Der Autor dieser wissenschaftlichen Studie bewertete dies so: "... der Bestand am Brutplatz Biedensand ging zurück, insgesamt konnte der Bestand in der Fläche leicht zunehmen“.

Sind 21 % im Lauf eines Jahres eine ‚leichte Zunahme‘?
Im Januar 2010 kommen nun nach dem Märzfrost 2009 zum zweiten Mal innerhalb von 12 Monaten aus ganz Hessen die Meldungen von verheerenden Einflügen großer Zahlen von Kormoranen in mittleren und kleinen Flüssen des Mittelgebirges. Dort erbeutet der Kormoran nicht, wie ebenso gebetsmühlenartig von Vogelschutzseite immer wieder behauptet wird, nur ‚wertlose‘ Weißfische, sondern eben hauptsächlich die dort vorherrschenden und naturschutzfachlich wertgebenden Flussfischarten. Allen voran betroffen ist die Äsche, aber auch Barben und Nasen. Diese werden vom Kormoran nicht etwa feinschmeckermäßig bevorzugt, sie werden vielmehr Opfer ihrer Überwinterungsstrategie. Sie suchen im Winter tiefe, ruhig strömende Stellen des Freiwassers auf, wo sie schwarmweise dicht und Energie sparend beisammen stehen.

Dort sind sie aber eine leichte Beute für den häufig gruppenweise jagenden Kormoran. Aktuell ist an früheren Vorzeigegewässern, wie der oberen Eder, der oberen Lahn, und der hessischen Sinn ein erneuter vollständiger Zusammenbruch der zwischenzeitig mehrfach neu aufgebauten Äschen- und Flussfischbestände festzustellen. Besonders tragisch ist dies an der hessischen Sinn: Dort wurde, teilweise in Pionierarbeit und mit sehr hohem finanziellen Aufwand und Arbeitseinsatz von privater Seite, ein in Naturschutzkreisen überregional beachtetes Projekt der Äschenvermehrung aus Elternfischen der lokalen Population über Jahre hinweg durchgeführt.

Auslöser für das Projekt war der erste starke Kormoraneinfall 1996/1997 gewesen. Der Bestand konnte zweimal erfolgreich wieder aufgebaut werden, starke Kormoraneinflüge im Winter 2002/2003 und jetzt zweimal in den letzten 12 Monaten haben den Erfolg zunichte gemacht und die Äsche im Gewässersystem der Sinn auf hessischer wie bayrischer Seite nahezu vollständig ausgerottet. Die Äsche ist nach der bundesdeutschen Roten Liste „stark gefährdet“, in der längst überfälligen Neufassung der hessischen Roten Liste könnte sie nur mit „vom Aussterben bedroht“ geführt werden. Der Kormoran dagegen gehört längst nicht mehr zu den gefährdeten Vogelarten, stellt sogar die europäische Kommission eindeutig fest.

Der Verband Hessischer Fischer fordert HGON und NABU auf, auf den Boden der Seriosität und wissenschaftlichen Redlichkeit zurückzukehren. Die beiden Verbände liefen sonst Gefahr, ihre Reputation und Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit, die zuletzt schon mit der umstrittenen und sachlich nicht gerechtfertigten Wahl des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 in ein schiefes Licht geraten waren, gänzlich zu verlieren.


 


Nach oben